Hinweise zum Modellbahnhersteller Rokal


Die Firma Rokal

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    Ausgangspunkt für die Entstehung der Firma Rokal war der Ingenieur Eugen Engelhardt aus Geneiken, einem kleinen Ort in der Nähe von Mönchengladbach. Anfang des Jahres 1946 hörte Engelhardt, dass in der britischen Besatzungszone die Herstellung von Spielzeug freigegeben wurde. Diese Nachricht brachte ihn auf die Idee, dass er eine Eisenbahn bauen könnte.

    Nach seinen Vorstellungen sollte seine Modelleisenbahn auch in beengten Wohnverhältnisse aufgebaut werden können. Da dies mit der Größe H0 nicht machbar war, musste sie kleiner werden. Er besann sich sicherlich, dass der Ingenieur Harald L. Joyce schon im Jahre 1941 eine Modellbahn im Maßstab 1:120 entwickelt hat und auch die Firma WESA in der Schweiz (13-mm-Spur), der Comet-Bahn der Freiburger Firma Lytax oder die Stuttgarter Löhmann-Präzix-Bahn (beide 12-mm-Spur) sich hier schon hervor getan haben. Das Engelhardt - wie manchmal behauptet - die Spur TT erfunden hat, kann deshalb getrost in das Märchenland verwiesen werden.

    Bereits im Frühjahr 1946 war nach seiner Konstruktionszeichnung ein funktionsfähiges Handmuster entstanden. Um in die Serienfertigung einzusteigen benötigte Engelhardt die Spritzgusstechnik und Geld. Die Suche nach einem Unternehmen, das sich mit Formenbau und Spritzguss auskannte, führte Engelhardt nach Lobberich am Niederrhein zum Unternehmen von Robert Kahrmann, das Zinkspritzgussteile für Sanitärarmaturen fertigte und dafür auch die Formen anfertigte.

    Im Mai 1946 fand dann eine Kooperation mit Kahrmann statt. Während Engelhard sich umgehend daran machte, aus seiner Musterlok die erste in Serie produzierbare Lokomotive zu entwickeln, ließ Kahrmann eine rund 40 Quadratmeter große Garage herrichten, in der die Modellbahnproduktion beginnen sollte.

    Der Name "ROKAL" ist ein Kunstwort, das aus den Namen Robert Kahrmann und Lobberich (heute: Stadt Nettetal) zusammengesetzt ist. Die Firma Robert Kahrman war von 1948 bis 1974 der erste westeuropäische Großserienhersteller von Zinkspritzgussteile für Sanitärarmaturen.

    Zu Weihnachten des Jahres 1948 war dann die erste Zugpackung in der Spurweite TT mit dem Namen ROKAL fertig. In einem Holzkasten mit Schiebedeckel, der später noch einen Aufkleber mit einer Abbildung bekam, auf der auch Robert Kahrmanns Enkel abgebildet war, lagen eine Schlepptenderlok, drei Personenwagen, ein regelbarer Wechselstromtrafo, Gleise und Werkzeug (Schraubendreher, Pinzette und Ölfläschchen). Etwa 150 Stück sollen von dieser Erstausgabe gefertigt worden sein. Diese gelangten jedoch nicht in den Handel, sondern wurden von Kahrmann überwiegend an Geschäftsfreunde verschenkt.

    Die Entwicklung der TT-Bahn bei Rokal ging rasch. Bereits im Jahre 1948 beschäftigte die Modellbahnabteilung neun Mitarbeiter. Die ersten Serienmodelle waren ein 4-achsiger Packwagen, ein 4-achsiger Personenwagen und eine stromlinienförmige Dampflokomotive mit Schlepptender.

    Den ersten „großen“ Auftritt erhielt die „kleine Elektrobahn“ im August 1949 auf der Exportmesse in Hannover. Neben dem Stand von Käthe Kruses Puppen führte ROKAL auf einer kleinen gestalteten Anlage seine TT-Bahn einem weltweiten Publikum vor. Die oben erwähnte Zugpackung wurde dazu für 108,- DM (damals etwa der Monatslohn eines Arbeiters) angeboten.

    Auf der 1. Deutschen Spielwarenfachmesse in Nürnberg im Jahre 1950 stellte die Firma Rokal, die 12-mm-Bahn aus. Rokal war somit der erste Serienhersteller der Spurgröße TT in Deutschland. Das TT-Programm war zu diesem Zeitpunkt bereits so weit vorangeschritten, dass bereits mehrere Zuggarnituren im Programm standen. Daneben gabe es außer den Loks und Wagen ein Gleissystem, Trafo und Fahrregler. Die Rokal-Bahn fuhr bereits mit dem Gleichstrom Zweileitersystem (14 Volt Betriebsspannung).

    Engelhardt, der geistige Vater der ROKAL-Bahn, verließ allerdings im Jahr 1950 das Unternehmen ROKAL. Grund waren Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und Robert Kahrmann. Der Nachfolger hieß Paul Schönfeld. Als technischer Leiter der Eisenbahnabteilung wurde dann der Elektroingenieur Otto Gothe eingestellt.

    Zusammen mit Heinz Thieme (Konstruktion), Siegfried Klaumünzner (Entwicklung), Ludwig Bierl (Fertigung), Kurt Hey (Lokfertigung), Fritz Emme (kaufm. Leitung) war dann ein neues Team zusammengesetzt, das in die Konstruktionsabteilung von Paul Schönfeld integriert wurde. Nun bekam die ROKAL-Modelleisenbahn einen enormen Aufschwung.

    Zum Erfolg gehörte auch die immer größer werdende Modellpalette. Unter dem genannten Team wurde die Schlepptenderlok B 1001 / B 1003 (Bestell-Nr. B1002).

    Da sich in dieser Zeit die Modellbahnbranche auf eine detailgetreuere Darstellung der realen Bahn hinbewegte wurde die Fertigung der BR 71 aufgenommen (Bestell-Nr. B1002). Zur Auslieferung kam die B 1002 Anfang 1952, also noch vor der Nürnberger Spielwarenmesse 1952.

    Nicht zu vergessen ist auch, dass ab 1952 die alte "Kupplung" durch eine neuere ROKAL-Kupplung ersetzt wurde. Diese Kupplung wurde Ende der 1960iger Jahre von der Firma Arnold für ihre N-Bahn in Lizenz gebaut. Die neue Kupplung hatte den Vorteil, dass sich die Fahrzeuge selbst zusammenkuppelten.

    Die Entwicklung ging bei Rokal weiter und so war es viele Jahre hinweg nur den ROKAL-Bahnern vergönnt, ein Modell der Dampflokomotive BR 03 auf die Modellschienen zu stellen. Auch an der Verbesserung der Modelle wurde ständig gearbeitet. So verließ man ab 1958 den bis dahin verwendeten reparaturanfälligen Schneckenantrieb und installierte von nun an in den Modellen einen Motor mit Zahnradantrieb. Ab 1960 hielt auch der Kunststoff Einzug bei den ROKAL-Modellen.

    Im Jahre 1955 überraschte die Fa. Rokal mit einem Oberleitungssortiment. Das System stammte von der Firma Vollmer. Das erste von Rokal für den Oberleitungsbetrieb produzierte Fahrzeug war der dreiteilige "ET 56", der wahlweise mit Ober- oder Unterleitungsbetrieb gefahren werden konnte. Wenn der Betrieb des Triebwagenzuges über die Oberleitung erfolgen sollte, so mussten die Drehgestelle umgewechselt werden.

    Rokal-Lok
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    Ebenfalls im Jahre 1955 wurden auch die bisherigen teuren Bakelitgleise durch Hohlprofilgleise (Schwellen aus bituminierter Pappe, Schienen aus Stahlblech-Hohlprofil)

    Im Jahre 1960 kam dann Konkurrenz durch die erste noch kleinere Modellbahn. Das Unternehmen ARNOLD aus Nürnberg präsentierte auf der Spielwarenmesse die Spur N im Maßstab 1:160.

    Zwar waren die Modelle noch nicht wirklich als solche zu bezeichnen, aber das sollte sich schnell ändern, wie ROKAL bald feststellen konnte. Hatte ROKAL um 1960 herum noch einen Marktanteil von knapp 4 %, so sank dieser bis zum Jahr 1965 auf runde 2 %.

    Die N-Spur von Arnold hatte hingegen im selben Jahr schon einen Marktanteil von über 5%, ein Wert, den ROKAL nie erreicht hatte. Doch das waren nicht die einzigen Hintergründe für den sich nun einleitenden Niedergang dieser Marke.

    Die Einführung der N-Spurgröße war aber nicht der einzige Grund für den sich abzeichnenden Niedergang von Rokal. Es kam auch noch ein Konjunktureinbruch in der Autoindustrie hinzu und das Hauptstandbein der Fa. Rokal, die KFZ-Zubehörteile waren davon besonders betroffen. Aufgenommene Kredite mussten zurückbezahlt werden, das brachte die Firma, die nur eine geringe Kapitaldecke hatte, in zunehmende Schwierigkeiten.

    Da waren dann auch noch die Autorennbahnen (Slotcars), welche sich zur Mitte der 1960er Jahre immer größerer Beliebtheit und Absatzzahlen erfreuten. Sie verursachten bei allen Modellbahnherstellern Umsatzeinbußen, nur bei ROKAL eben – mit einem ohnehin schon immer geringer werdenden Marktanteil – noch folgenschwerer.

    Die 1967 einsetzende allgemeine Rezession in Deutschland war ein weiterer empfindlicher Schlag für die Firma ROKAL.
    Hinzu kam, dass Rokal gegenüber der mittlerweile hohen Fertigungsqualität der Mitbewerber nicht mithalten konnte. Aus diesem Grunde wurde 1967 ein völlig neues Schienensystem von Rokal auf den Markt gebracht. Statt der bisherigen rostenden Blechprofile stellte man auf Neusilbervollprofile um.

    Da Kahrmann bei der Fahrzeugentwicklung aus Kostengründen alle Aktivitäten auf Null setzte, wurden Kontakte mit dem DDR-Hersteller Zeuke & Wegwerth, der seit einigen Jahren ebenfalls eine TT-Modellbahn anbot hergestellt, um von hier neue Modelle einzukaufen, die dann unter dem Namen ROKAL das eigene Angebot erweitern sollten. Tatsächlich kam eine solche Zusammenarbeit 1968 auch zustande, war aber nur von kurzer Dauer. Zeuke & Wegwerth lieferte Wagons gegen Devisen, die ROKAL dann noch mit den hauseigenen Kupplungen und Radsätzen versah und unter eigenem Namen anbot.

    Die letzte eigene Neuentwicklung von ROKAL war die E 03 (103) der DB, die 1968 zusammen mit den zweifarbigen TEE-Wagons vorgestellt und ausgeliefert wurde. Doch gerade diese Lokomotive zeigte auch, dass ROKAL den Anschluss an die Konkurrenz verpasst hatte und auf einem Fertigungs- und Qualitätsniveau der 1950er Jahre stehengeblieben war. Hinzu kam, dass Modelle von ROKAL - bei schlechter Qualität - im oberen Preissegment zu finden waren.

    Auf der Spielwarenmesse von 1970 war ROKAL dann erstmals nicht mehr präsent. Die Firma ROKAL entschloss sich dann gegen eine 2/3-Beteiligung an RÖWA alle Fertigungsmaschinen, Formen und das Know-how RÖWA hatte zu diesem Zeitpunkt bereits ebenfalls finanzielle Probleme und konnte somit keine wettbewerbsfähige TT-Produktion aufbauen. Im Jahre 1974 ging Rokal und im Jahr 1975 dann die Firma RÖWA in Konkurs. Die kleine österreichische Firma - Roco - übernahm das gesamte Röwa Programm, einschließlich der Rokal Formen und Teile. Leider entschloss sich Roco das TT-Pogramm nicht weiterzuführen.

    Die Loks und Wagen von Rokal haben heute hohen Sammlerwert. Sogar die Trafos und Fahrregler von Rokal sind Sammlerartikel geworden. Darüber hinaus sind die Fahrregler und Trafos von Rokal auch heute noch gut auf allen Gleichstrombahnen einsetzbar.

    Rokal-Bilder


    Weitere Informationen und Literaturzur Rokalbahn:
    Rokalbahn von Manfred Albersmann

    Geschichte der Rokal-TT-Bahn






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